Eine Keramikkrone oder ein Veneer sieht nach dem Einsetzen perfekt aus — eine glatte, glänzende Oberfläche, die Licht so reflektiert wie natürlicher Schmelz. Doch jeden Tag stellt sich der Patient zweimal vor den Spiegel, nimmt die Bürste und beginnt langsam, die Glasur abzutragen. Die Frage ist nicht, ob es passiert, sondern wie schnell.
01Die Glasur unter dem MikroskopWas bei jedem Zähneputzen passiert
Die Glasur ist eine dünne glasige Schicht, die auf die Keramikoberfläche aufgebrannt wird — ihre Dicke liegt im Mikrometerbereich. Sie schützt Ästhetik und Biokompatibilität der Restauration: Eine glatte Oberfläche hält weniger Plaque, widersteht Pigmentierung und bewahrt den Glanz.
Bei jedem Putzvorgang bewegen sich die abrasiven Partikel der Paste über diese Oberfläche und tragen sie mechanisch ab. Das Ergebnis ist eine schrittweise Zunahme der Rauheit (Ra) und ein Glanzverlust (GU — gloss units). Untersuchungen an glasierten Lithium-Disilikat-Keramiken (IPS e.max CAD) haben gezeigt, dass der Glanz nach 20 000 Putzzyklen um mehr als 20 GU absinken kann — während konventionelle Pasten mit niedrigem RDA praktisch keinen solchen Effekt zeigen, verursachen Aktivkohle-Pasten statistisch signifikante Oberflächenschäden.
02Der größte ÜbeltäterAktivkohle-Pasten und Bleich-Abrasiva
Trendige „schwarze" Pasten mit Aktivkohle sind in den letzten Jahren sehr beliebt geworden. Das Problem: Die Kohlenstoffpartikel haben unregelmäßige Formen und eine hohe Härte — und die Forschung bestätigt dies. Eine Studie an glasierten e.max-Proben hat gezeigt, dass Charcoal-Pasten die Oberflächenrauheit deutlich stärker erhöhen und den Glanz stärker reduzieren als die konventionelle Paste Colgate Total 12. Die konventionelle Paste hat den Glanz nach 20 000 Zyklen sogar erhöht — dank eines milden Polier-Effekts.
Ähnlich riskant sind stark aufhellende Pasten mit hohem Anteil an hydratisiertem Silica oder Natriumbikarbonat — deren RDA kann 150 überschreiten.

03Die LangzeitperspektiveWas die klinische Forschung sagt
Die gute Nachricht: Tägliches Standardputzen mit einer Paste angemessenen RDA gefährdet die Glasur einer Keramik nicht grundsätzlich. Eine Studie zu glasierten CAD/CAM-Materialien (Lithiumdisilikat, Zirkonkeramik) nach 180 000 Putzzyklen hat ergeben, dass die Oberflächenrauheit aller getesteten Materialien nach langfristigem Putzen sogar sank — das Putzen hatte eher einen poliereffekt. Die zentrale Bedingung: Verwendung einer Paste mit niedrigem bis mittlerem RDA.
04Wie Sie es in 10 Sekunden prüfenCicero Assistant kennt den RDA jeder Paste
Ein Patient kommt zum Recall und erwähnt eine neue „Aufhellungspaste". Statt Beipackzettel durchzusuchen oder die Herstellerseite zu öffnen, genügt es, Cicero Assistant zu öffnen und den Namen der Paste einzugeben — der Assistent gibt sofort den RDA-Wert und eine Empfehlung zurück, ob die Paste für Patienten mit keramischen Restaurationen geeignet ist.
Cicero Assistant beantwortet die Frage „Wie hoch ist der RDA von Sensodyne Repair & Protect?" sofort — ohne die Workstation zu verlassen oder die technischen Datenblätter des Herstellers durchsuchen zu müssen.
Cicero Team · Cicero Education, 2026
Für Patienten mit Keramikkronen, Veneers oder einer e.max-Krone empfehlen wir Pasten mit einem RDA unter 70 — typischerweise Pasten für sensible Zähne (Sensodyne, Elmex Sensitive) oder Kinderzahnpasten für Erwachsene. Aufhellungspasten mit RDA über 100 und Charcoal-Pasten sollten nicht empfohlen werden, solange kein RDA-Wert des Herstellers verfügbar ist.
