Wer die meisten Implantat-Workflows betrachtet, erkennt eine vorhersehbare Abfolge: Einheilaufbau einsetzen, Gewebe ausreifen lassen, Einheilaufbau entfernen, Scankörper anschließen, scannen, Scankörper entfernen, Einheilaufbau wieder einsetzen. Dieser Ablauf wiederholt sich bei jedem Termin. Das Encode-System von ZimVie – ehemals Biomet 3i – eliminiert mehrere dieser Schritte auf elegante Weise, und der zugrundeliegende Mechanismus verdient eine genaue Betrachtung.
01Klassisches VorgehenWie ein konventioneller Scankörper funktioniert
Ein konventioneller Scankörper (auch Scanbody oder ISB – Implant Scan Body genannt) ist ein präzisionsgefertigtes Bauteil, das direkt am Implantat oder an einem Multi-Unit-Aufbau befestigt wird. Seine Geometrie ist einzigartig und asymmetrisch: Der intraorale Scanner erfasst die Form, gleicht sie mit der digitalen Bibliothek des Herstellers ab und berechnet die exakte dreidimensionale Position sowie die Angulation der Implantatplattform im Raum.
Das System funktioniert zuverlässig. Systematische Übersichtsarbeiten belegen, dass die intraorale Scantechnik mit dedizierten Scankörpern für Einzelimplantate und kurzspannige Versorgungen eine klinisch akzeptable Genauigkeit liefert. Die Einschränkung liegt im Ablauf: Der Einheilaufbau muss entfernt, der Scankörper aufgesetzt, der Scan durchgeführt und anschließend der Einheilaufbau wieder eingesetzt werden. Jeder Bauteilwechsel birgt ein geringes Risiko, die periimplantäre Gewebemanschette zu irritieren – und an einem vollen Behandlungstag summieren sich diese zusätzlichen Schritte erheblich.
02Das Encode-KonzeptEin Bauteil, zwei Funktionen
Der Encode-Einheilaufbau verfolgt einen grundlegend anderen konstruktiven Ansatz. Seine koronale Oberfläche ist mit einem proprietären Muster aus konzentrischen Ringen und geometrischen Merkmalen gefräst – dem „Code" –, der Plattformgröße, Verbindungstyp und Rotationsausrichtung des Implantats direkt in die Topografie des Aufbaus einschreibt. Beim intraoralen Scan liest der Scanner diese kodierte Oberfläche exakt so aus wie einen konventionellen Scankörper.
Das Ergebnis: Der Einheilaufbau muss für die Abformung zu keinem Zeitpunkt entfernt werden. Der Patient heilt um ein Bauteil herum ein, das gleichzeitig das Emergenzprofil formt und als Referenzgeometrie für den digitalen Workflow dient. Ein gesamter Behandlungsschritt entfällt vollständig.
Die digitale Bibliothek von ZimVie ordnet jede Encode-Aufbau-Variante den entsprechenden Implantатdaten zu, sodass die CAD-Software dieselben Positions- und Winkelinformationen erhält wie von einem dedizierten Scankörper – Plattformdurchmesser, Implantatachse, Rotationsindex – ganz ohne Bauteilwechsel.

03Klinische VeränderungenDer praktische Unterschied
Der unmittelbarste Vorteil liegt in der Gewebestabilität. Jedes Mal, wenn ein Einheilaufbau entfernt und wieder eingesetzt wird, besteht das Risiko eines Mikrotraumas am sich bildenden Sulkusepithel und der bindegewebigen Manschette. Untersuchungen zum Scankörperdesign bestätigen, dass die Anzahl der Bauteilwechsel eine prozedurale Variable ist, die es zu kontrollieren gilt – insbesondere in der ästhetischen Zone, wo das Emergenzprofil entscheidend ist.
Neben dem Gewebemanagement reduziert das Encode-System die Behandlungszeit und das Risiko von Bauteilvertauschungen. Bei Mehrfachimplantaten ist die Zuordnung des richtigen Scankörpers zur jeweiligen Implantatposition eine reale Fehlerquelle. Mit Encode ist die kodierte Oberfläche bereits in situ und bereits auf das spezifische Implantat indexiert – es gibt nichts zu wechseln, nichts zu verlieren und keine Möglichkeit, das falsche Bauteil anzuschließen.
Das System ist zudem mit dem vollständigen digitalen Workflow von ZimVie kompatibel: Scans werden direkt in die Designsoftware mit vorgeladener Implantatbibliothek eingespeist, und das Zahntechnikteam erhält ein präzises virtuelles Modell – ohne physische Abformung oder Gipsmodell.
04Scankörperdesign ist entscheidendWas die Evidenz zeigt
Aktuelle systematische Übersichtsarbeiten machen deutlich, dass die Geometrie des Scankörpers – Höhe, Durchmesser, Oberflächenmerkmale und Bibliothekskongruenz – die Genauigkeit der digitalen Implantatpositionierung maßgeblich beeinflusst. Die Encode-Oberfläche ist gezielt so konstruiert, dass sie von aktuellen intraoralen Scannern zuverlässig ausgelesen werden kann, mit ausreichendem geometrischem Kontrast für eine sichere Identifikation – selbst wenn der Aufbau teilweise von Weichgewebe umgeben ist.
Bei Einzelimplantaten und kurzspannigen Versorgungen ist die Genauigkeit eines gut konzipierten kodierten Einheilaufbaus klinisch mit der eines dedizierten Scankörpers vergleichbar. Bei Vollbogenversorgungen gelten dieselben Grundsätze wie für konventionelle Scankörper: Scanstrategie, Erfahrung des Behandlers und Scannermodell beeinflussen das Endergebnis.
Das Design des Scankörpers – einschließlich Geometrie, Material und Bibliotheksabgleich – ist ein primärer Bestimmungsfaktor für die Genauigkeit digitaler Implantatimpressionen.
Mizumoto R.M. · Journal of Prosthetic Dentistry, 2018
05Verfügbarkeit und KompatibilitätFür wen ist es geeignet
Das Encode-System ist für die Implantatlinien Certain® und Tapered Screw-Vent® von ZimVie konzipiert. Es ist in verschiedenen Plattformdurchmessern und Emergenzprofil-Höhen erhältlich, um unterschiedlichen Gewebetiefen und ästhetischen Anforderungen gerecht zu werden. Das System setzt voraus, dass die CAD/CAM-Software des behandelnden Klinikers oder der Labortechnikpartner Zugang zur digitalen Bibliothek von ZimVie hat – eine Standardvoraussetzung für jeden herstellerspezifischen Scankörper-Workflow.
Für Kliniker, die bereits im ZimVie-Ökosystem arbeiten, stellt Encode ein unkompliziertes Upgrade des restaurativen Protokolls dar. Für diejenigen, die Implantatsysteme evaluieren, ist die integrierte Einheil- und Scanfunktion ein bedeutsames Differenzierungsmerkmal – insbesondere in Praxen, die digitale Effizienz und gewebeschonende Workflows priorisieren.
Der Kerngedanke ist einfach, aber weitreichend: Anstatt ein zusätzliches Bauteil für die Abformung einzusetzen, wird das Einheilbauteil so gestaltet, dass die Abformung bereits integriert ist.

