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Ätzen von LDS-Keramik: Protokoll für die Kronen-Lebensdauer

Säurekonzentration, Einwirkzeit, Ultraschallbad, Silanisierung – jeder Schritt hat seine Logik, und das Weglassen auch nur eines davon kann teuer werden.


Cicero Team22. Mai 20263 min read
Zahntechniker trägt Flusssäure-Ätzgel auf die Innenfläche einer Lithium-Disilikat-Keramikkrone auf
00Cicero · 2026

Lithium-Disilikat-Keramik (LDS) gehört heute zu den am häufigsten verwendeten Materialien für ästhetische Kronen und Veneers. Ihre Festigkeit und Transluzenz sind außergewöhnlich – aber nur, wenn die adhäsive Zementierung korrekt erfolgt. Und die beginnt lange, bevor Sie zum Zement greifen.

01GrundlagenWarum die Säurekonzentration zählt

Flusssäure (HF) löst selektiv die glasige Matrix der LDS-Keramik auf und legt die kristalline Struktur des Lithium-Disilikats frei. Das Ergebnis ist eine mikroretentive Oberfläche, an der Silan – und anschließend Kunststoffzement – tatsächlich Halt findet.

Die am häufigsten zitierte und klinisch belegte Konzentration ist 5 % HF für 20 Sekunden. Diese Kombination ergibt sich in Laborstudien und systematischen Übersichten immer wieder als optimal: Sie erzeugt ausreichende Rauheit ohne übermäßige Oberflächenschädigung. Höhere Konzentrationen (9,5 %) oder längere Einwirkzeit erhöhen zwar die Rauheit, schwächen aber gleichzeitig die Oberflächenschicht der Keramik und können die resultierende Verbundfestigkeit paradoxerweise senken.

02Gepresst vs. CADCAM: LDS ist nicht gleich LDS

Hier kommt ein Detail, das in der Praxis leicht übersehen wird. Gepresste LDS (z. B. IPS e.max Press) und gefräste CAD/CAM-LDS (z. B. IPS e.max CAD) haben unterschiedliche kristalline Strukturen – und sie reagieren unterschiedlich auf das Ätzen.

CAD/CAM-Blöcke werden im sogenannten blauen (vorkristallisierten) Zustand gefräst und erst nach dem Fräsen im Ofen auskristallisiert. Die resultierende Mikrostruktur ist feiner und homogener. Gepresste Keramik hat dagegen größere und dichter angeordnete Kristalle. Studien zur 3D-Mikrostruktur nach dem Ätzen zeigen, dass beide Typen das gleiche Protokoll erfordern (5 % HF, 20 s), aber die CAD/CAM-Oberfläche nach dem Ätzen visuell weniger dramatisch verändert ist – die Adhäsion ist dennoch vergleichbar, sofern alle nachfolgenden Schritte eingehalten werden.

Kurz gesagt: Das Protokoll ist gleich, die resultierende Oberfläche sieht anders aus – lassen Sie sich nicht verwirren.

03Reinigung nach dem ÄtzenUltraschallbad und Phosphorsäure

Nach dem Ätzen bildet sich auf der Keramikoberfläche ein weißer Niederschlag – Siliziumfluorid. Wenn Sie ihn nicht entfernen, blockiert er die Bindungsstellen für Silan physikalisch und reduziert die Verbundfestigkeit erheblich.

Das Ultraschallbad (Ethanol oder destilliertes Wasser, 8–10 Minuten) ist der Goldstandard zur Entfernung des Niederschlags. Ein bloßes Abspülen mit Wasser reicht nicht – die Ultraschall-Kavitation löst auch den in den Mikroretentionen gefangenen Niederschlag mechanisch.

Als ergänzender Schritt funktioniert die Anwendung von 37%iger Phosphorsäure (30–60 Sekunden, danach abspülen). Phosphorsäure entfernt Restverunreinigungen und aktiviert die Oberfläche weiter für die Silanisierung. Die Kombination US + H₃PO₄ liefert konsistent bessere Ergebnisse als jeder Schritt allein.

schrittweise Infografik des Protokolls zur Oberflächenbehandlung von Lithium-Disilikat-Keramik vor der Zementierung
Ablauf der Vorbereitung der LDS-Keramik vor der adhäsiven Zementierung

04Silanisierung und ErwärmenDer Schritt, den man nicht überstürzen darf

Silan bildet die chemische Brücke zwischen der Keramik und dem Kunststoffzement. Es wird in einer dünnen Schicht auf die trockene, saubere Oberfläche aufgetragen und verdunsten gelassen (20–30 Sekunden). Dann kommt das entscheidende Detail: Erwärmen auf 60 °C für 1 Minute (oder gemäß Herstellerangabe) kondensiert die Silanolgruppen und erhöht die Dichte der chemischen Bindung erheblich.

Ohne Erwärmung deckt das Silan zwar die Oberfläche ab, aber die Kondensation läuft nur teilweise ab – und die resultierende Verbundfestigkeit ist geringer. Dieser Schritt wird in der klinischen Praxis am häufigsten ausgelassen, gerade weil „es auch ohne irgendwie funktioniert". Es funktioniert – aber nicht so gut und nicht so lange.

Die Silan-Oberflächenbehandlung liefert eine höhere Verbundfestigkeit, unabhängig von der verwendeten HF-Konzentration oder der Ätzdauer.

Systematische Übersicht, Journal of Clinical and Experimental Dentistry, 2024

05ZusammenfassungDas Protokoll, das sich einzuhalten lohnt

Der gesamte Ablauf dauert etwa 15–20 Minuten länger als eine konventionelle Zementierung. Das Ergebnis ist ein Verbund, der Thermozyklen, Okklusalkräften und der Zeit standhält.

  • Ätzen: 5 % HF, 20 Sekunden – gilt für gepresste und CAD/CAM-LDS gleichermaßen
  • Abspülen und Ultraschallbad: 8–10 Minuten, Ethanol oder destilliertes Wasser
  • Phosphorsäure: 37 %, 30–60 Sekunden, danach gründlich abspülen und trocknen
  • Silanisierung: dünne Schicht, verdunsten lassen, auf 60 °C / 1 min erwärmen
  • Zementierung: unmittelbar nach der Vorbereitung, ohne unnötige Verzögerung

Jeder ausgelassene Schritt ist eine stille Wette darauf, dass die Krone trotzdem hält. Manchmal hält sie. Aber das Protokoll existiert genau deshalb, damit es keine Lotterie wird.

Cicero Team
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Editorial · Cicero

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