Die Absauganlage ist in der Praxis wie die Atemwege — wenn sie funktioniert, bemerkt sie niemand. Wenn sie ausfällt, steht alles still. Und doch zählt sie zu den am meisten vernachlässigten Geräten der gesamten Praxis.
01HauptverursacherAmalgam und seine Ablagerungen
Amalgam ist mit Abstand die größte Bedrohung für eine Absauganlage. Beim Schleifen und beim Entfernen alter Füllungen gelangen mikroskopische Amalgampartikel in die Schläuche, wo sie sich allmählich an den Wandungen absetzen. Die Kombination aus Quecksilber, Zinn und Silber bildet harte Inkrustationen, die den Schlauchquerschnitt verengen und die Saugleistung verringern — manchmal um zweistellige Prozentwerte, ohne dass das Personal etwas davon bemerkt.
Laborprüfungen von Amalgamabscheidern nach ISO 11143 zeigen, dass selbst zertifizierte Geräte einen Teil der feinsten Partikel weiter ins System durchlassen. Ohne regelmäßige Reinigung und einen funktionierenden Amalgamabscheider summieren sich diese Ablagerungen Jahr für Jahr.
02Der stille FeindBiofilm im Schlauchinneren
Der zweite Killer ist Biofilm — eine dünne, aber zähe Bakterienschicht, die sich an den Innenwänden der Absaugschläuche festsetzt. Das feuchte, dunkle, nährstoffreiche Milieu ist für Bakterien ideal. Biofilm stinkt nicht nur und kontaminiert die Praxisluft, er verengt auch mechanisch den Durchfluss und beschleunigt die Korrosion sowohl der Kunststoff- als auch der Metallkomponenten.
Das Problem: Ein gewöhnliches Wasserspülen entfernt den Biofilm nicht. Sie brauchen enzymatische oder desinfizierende Präparate, die speziell für Absauganlagen entwickelt wurden — und Sie müssen sie regelmäßig einsetzen, nicht erst dann, wenn der Geruch auftritt.

03Der chemische FehlerFalsche Reinigungsmittel
Paradoxerweise ist eine der häufigsten Ursachen für Schäden an der Absauganlage die ungeeignete Desinfektion. Stark alkalische oder saure Präparate, die nicht für Absauganlagen zertifiziert sind, greifen Dichtungen, O-Ringe und Kunststoffkomponenten an. Das Ergebnis sind Mikrorisse, aus denen Luftundichtigkeiten werden — und die Saugleistung bricht ein.
Genauso gefährlich ist der Einsatz von Mitteln, die für Oberflächen oder Handinstrumente bestimmt sind, in der Absauganlage. Konzentration, Viskosität und pH-Wert sind anders, als das System verträgt.
Verwenden Sie ausschließlich vom Systemhersteller freigegebene Präparate. Jede andere Chemie ist ein Spiel mit den Dichtungen und der Lebensdauer der Pumpe.
Hersteller von Absauganlagen — technische Dokumentation
04BetriebsgewohnheitenWas das Personal unbewusst tut
Auch die beste Chemie hilft nicht, wenn die Betriebsgewohnheiten falsch sind. Zu den häufigsten Fehlern zählen:
- Absaugen fester Materialien — Gipsreste, provisorische Kronen oder Kompositstücke verstopfen den Filter und beschädigen die Pumpe.
- Abschalten des Systems ohne Spülung — am Ende des Tages sollte das System stets einen Reinigungszyklus mit dem entsprechenden Präparat durchlaufen, nicht nur Wasser.
- Ignorieren eines Leistungsabfalls — eine schwächere Saugung ist das erste Anzeichen eines Problems. Je länger gewartet wird, desto teurer die Reparatur.
- Überfüllter oder vernachlässigter Amalgamabscheider — ein voller Abscheider hört auf, Amalgam zurückzuhalten, und schickt es direkt ins System.
05PräventionWie man das System wirklich schützt
Die gute Nachricht: Die meisten Schäden an Absauganlagen sind vermeidbar. Es genügt, drei Grundregeln einzuhalten.
Erstens: tägliche Spülung mit einem für Absauganlagen zertifizierten Reinigungsmittel — immer am Ende des Arbeitstages. Zweitens: regelmäßige Kontrolle und Wechsel von Filtern und Amalgamabscheider nach Herstellervorgabe. Drittens: jährliche Wartung der gesamten Anlage durch einen Techniker, der Dichtungen, Pumpe und Durchfluss prüft.
Eine gepflegte Absauganlage hält ohne größere Reparatur problemlos zehn Jahre und mehr. Eine vernachlässigte kostet Sie eine neue Pumpe oder den kompletten Schlauchwechsel — und das im ungünstigsten Moment, mitten an einem vollen Behandlungstag.
