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Adstringierende Medien für Retraktionsfäden: Typen, Vergleich und was die wenigsten Spuren hinterlässt

Aluminiumchlorid, Eisensulfat oder Adrenalin – jedes adstringierende Medium verhält sich anders und hinterlässt unterschiedliche Spuren am Gewebe wie an der Zahnoberfläche.


Cicero Team1. Juni 20264 min read
dentist placing retraction cord in gingival sulcus around prepared tooth
00Gingivaretraktion · Cicero Education · 2026

Eine korrekte Gingivaretraktion ist die stille Voraussetzung für einen präzisen Abdruck. Der Faden allein erweitert den Sulkus mechanisch, doch ohne adstringierendes Medium bleiben die Sulkusflüssigkeit und das Blut ein Problem, das selbst den sorgfältigsten Abdruck unbrauchbar macht. Die Wahl der Imprägnierlösung ist dabei nicht nur eine Frage der Hämostase – sie beeinflusst die biologische Gewebereaktion, die Oberflächenqualität der Präparation und das, was nach dem Entfernen des Fadens auf dem Zahn zurückbleibt.

01ÜberblickWie adstringierende Medien wirken

Adstringierende Substanzen bewirken eine lokale Vasokonstriktion oder eine Präzipitation von Proteinen in der Sulkusflüssigkeit, wodurch die Blutung gestillt und die Sekretion reduziert wird. Das Ergebnis ist ein trockener, offener Sulkus, in den das Abformmaterial zuverlässig bis zum Präparationsrand fließen kann.

Klinisch werden vier Hauptgruppen verwendet:

  • Aluminiumchlorid (AlCl₃) – die am weitesten verbreitete Wahl, Konzentration 10–25 %. Es wirkt schnell, ist gewebeschonend und hinterlässt nach dem Abspülen keine sichtbaren Rückstände auf der Zahnoberfläche. Studien, die verschiedene Retraktionsmethoden verglichen, bestätigten, dass ein mit Aluminiumchlorid imprägnierter Faden eine vergleichbare Abdruckqualität erreicht wie moderne fadenlose Systeme.
  • Aluminiumsulfat (Al₂(SO₄)₃) – ähnlicher Mechanismus wie AlCl₃, mit etwas stärkerer adstringierender Wirkung. Verfügbar in Gel- und Pastenform für die fadenlose Technik.
  • Eisensulfat (Fe₂(SO₄)₃) – starke hämostatische Wirkung, hinterlässt jedoch eine charakteristische braunschwarze Verfärbung sowohl auf den harten Zahngeweben als auch auf der Gingiva. Die Oxidationsreaktion mit Blut erzeugt Niederschläge, die vor dem Abformen gründlich entfernt werden müssen, da sie sonst mit der Polymerisation additionsvernetzender Silikone interferieren.
  • Epinephrin (Adrenalin) – historisch eingesetzt wegen seiner ausgeprägten Vasokonstriktion. Heute wird davon Abstand genommen, und zwar wegen systemischer kardiovaskulärer Risiken, insbesondere bei Patienten mit Hypertonie oder koronarer Herzkrankheit.

02GewebereaktionWas unter der Oberfläche geschieht

Die biologische Verträglichkeit adstringierender Medien wurde an primären humanen gingivalen Fibroblasten getestet. Die Ergebnisse zeigen, dass Präparate auf Basis von Aluminiumchlorid, Aluminiumsulfat und Eisensulfat weder die Viabilität noch die Proliferation der Fibroblasten bei klinisch relevanten Konzentrationen reduzieren. Lediglich eines der getesteten Präparate (Expasyl auf AlCl₃-Basis in Pastenform) löste einen messbaren oxidativen Stress aus – einen Anstieg des Nitritspiegels – ohne Auswirkung auf das Überleben der Zellen.

Ältere Studien an Fibroblasten bestätigten, dass Eisensulfat bei direktem Gewebekontakt eine höhere Zytotoxizität aufweist als Aluminiumchlorid – insbesondere bei längerer Applikationsdauer oder bei einer Verletzung des Sulkusepithels durch den Faden.

03Spuren am ZahnWelches Präparat die wenigsten hinterlässt

Diese Frage hat eine unmittelbare klinische Relevanz: Rückstände des adstringierenden Mediums auf der Präparation können die Polymerisation der Abformmaterialien hemmen oder die Haftung der provisorischen Krone beeinträchtigen.

  • Aluminiumchlorid hinterlässt nach dem Abspülen minimale Rückstände. Es bildet keine farbigen Niederschläge und interferiert weder mit Polyether- noch mit additionsvernetzenden Silikonmaterialien. Es gilt hinsichtlich der Oberflächenreinheit als Referenzstandard.
  • Aluminiumsulfat verhält sich ähnlich wie AlCl₃ – die Rückstände sind nach dem Abspülen vernachlässigbar.
  • Eisensulfat hinterlässt sichtbare braune Rückstände auf Schmelz, Dentin und Gingiva. Bei unzureichender Spülung hemmt es die Aushärtung sowohl kondensations- als auch additionsvernetzender Silikone. Hinsichtlich der Spuren am Zahn ist es das problematischste.
  • Epinephrin hinterlässt für sich genommen keine sichtbaren Rückstände, doch die systemischen Risiken seiner Anwendung überwiegen diesen Vorteil deutlich.
diagram comparing surface residue left by aluminum chloride versus ferric sulfate after retraction cord removal
Vergleich der Rückstände nach dem Entfernen des Fadens – AlCl₃ vs. Fe₂(SO₄)₃

04Praktische EmpfehlungWas wann zu wählen ist

Die Wahl des adstringierenden Mediums hängt von der klinischen Situation ab, doch die allgemeine Hierarchie ist eindeutig:

  • Standardwahl: Aluminiumchlorid 15–25 % – das optimale Verhältnis aus Hämostase, Gewebeschonung und Oberflächenreinheit. Geeignet für die meisten klinischen Situationen.
  • Starke Blutung: Eisensulfat ist wirksam, erfordert jedoch eine sorgfältige Spülung und mechanische Reinigung der Präparation vor dem Abformen. Erwägen Sie, ob es nicht besser ist, den Abdruck zu verschieben und die Ursache der Blutung zu behandeln.
  • Fadenlose Systeme: Gele und Pasten auf Basis von AlCl₃ oder Al₂(SO₄)₃ (z. B. Expasyl, Traxodent) bieten eine mit der Fadentechnik vergleichbare Abdruckqualität und sind in der Anwendung schneller.
  • Epinephrin: ungeeignet bei kardiovaskulär gefährdeten Patienten; in der modernen Praxis durch sicherere Alternativen ersetzt.

Gingival displacement is a critical step in fixed prosthodontics — the choice of chemical agent directly affects both tissue health and impression accuracy.

Baba N.Z. · Dental Clinics of North America, 2014

Unabhängig vom gewählten Medium gilt eine Regel: vor dem Abformen stets gründlich abspülen, absaugen und die Oberfläche der Präparation visuell kontrollieren. Kein adstringierendes Medium ersetzt eine sorgfältige Technik.

Cicero Team
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Editorial · Cicero

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